Preview „YPSILON“ von Yassin – Ironisch-beschwingt, aber mit Tiefgang

„Boah… Nee, nicht noch so ein Deutschrap-entfremdendes, überladenes Autotune-Gedöns!” dachte ich mir zunächst wohl etwas zu vorschnell beim Ausklingen des Intros. Aber – NOPE. Entwarnung. Safe!

Elf Songs, die ich immer noch nicht scheiße finde” – so kommentierte Yassin die Ankündigung seines ersten Solowerks “YPSILON” im vergangenen Herbst. Word. Bekanntlich ist er der renommierten Deutschrap-Formation Audio 88 & Yassin entsprungen. Da ist es wohl eher auch nur so ein selbstredendes Ding, dass die Platte über das hauseigene Label “Normale Musik” released wird. 

Soundtechnisch ist „YPSILON“ geprägt durch ein Lofi-Arrangement aus semidüsteren „80er Videospiel“ Synthie-Melodien und euphonischen Trap-Elementen. Diese beiden Komponenten finden sich kontinuierlich ummantelt von äußerst gelungenen Gesangsparts, welche mit wohl dosierten Autotune-Effekten daher kommen. Wohlmöglich vermag es zunächst etwas befremdlich erscheinen, dass Yassin auf dieser Platte durchweg mit melodischen Vokalstücken punktet. Daher vorab folgender Hinweis: seine Singweise artet an keiner Stelle in Gefühlsduselei oder gar Klamauk aus.

“Dieses Album bringt mich unter die Erde, bleibe für immer derselbe – aber nie mehr der Alte bis ich sterbe.”

Ironisch-beschwingt, aber mit Tiefgang und einem fluffigen Beat unterlegt, resümiert Yassin in dem ersten Track “Haare grau” seinen musikalischen und persönlichen Entwicklungsgang in Kongruenz zu den Begleiterscheinungen des Alterns. Die reflektierte Auseinandersetzung mit dem eigenen Lebensbild – eine Thematik, welche von Yassin in all ihren Facetten aufgegriffen wird (“1985”, “Junks”).

Neben einem Gastspiel von Mädness (“Nie so”) findet sich mit dem Track “Eine Kugel” ein weiteres Feature mit Audio88 und Casper – eines der lyrischen Schmankerl‘ dieser Platte. Auf einem recht gediegenem Lofi-Beat, so wie aus dem Lehrbuch, droppen die Drei höhnische, aber zugleich hintergründige Lines wie beispielsweise: “Ich suche nach Menschen, doch ich finde nur Opfer/ Mit einer Zielscheibe, wo früher mal ein Kopf war”. Hintereinander weg.  Einfach so. Episch.

„Es wird dunkel im Abendland…“

Der wohl soundtechnisch effektvollste Track mit einem unbestreitbaren Hymnen-Charakter ist der mainstreamig-poppige und enorm inhaltsträchtige Song “Meteroriten”. Neben autobiographischen Stuff fokussiert Yassin in seinem Soloalbum thematisch einen besorgten Blick auf den steigenden Rechtsdruck und anhaltenden Rassismus in Deutschland (“Abendland”, “Deutschland”).

Yassin, selbst algerischer Herkunft, nähert sich dieser Problematik sehr nuanciert, indem er seine persönliche Betroffenheit durch sein eigenes Gefühl der Ohnmacht und Bedrängnis wortgewandt zum Ausdruck bringt. In dem Track “Deutschland” hingegen positioniert er sich in gewohnter beißend – sarkastischen Art unmissverständlich gegen das aktuell vorherrschende Klima der Intoleranz und Feindseligkeit: “Deutschland, jetzt kommst du mir so, als kennen wir uns nicht / Benimmst dich wie ein Arschloch/ Dicker, was ist mit dir los?”

Gut so. Weitermachen 🙂

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